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Meine Lieben,
ich freue mich sehr, mit Euch zu sprechen und Euch meine Gedanken in dieser Zeit mitzuteilen. Bei all dem, das sich derzeit in unserer Welt abspielt: verlieren wir den Mut nicht. Erlauben wir uns, auch wenn es uns schwerfällt, an den großen Sinn all dessen zu glauben, was wir erleben, womit wir konfrontiert sind.
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Ja, das ist eine Herausforderung und wird mancher und manchem gar nicht so leicht fallen. Nur, was ist die Konsequenz? Gibt es einen anderen Weg? Sollen wir verzweifeln? Sollen wir uns aufregen? Sollen wir andere beschimpfen? Sollen wir aggressiv werden? All das sind keine Lösungen. Und deshalb verlieren wir trotz alledem den Glauben an das Gute im Menschen nicht. Ja, und nochmals, auch wenn es uns schwerfällt, wenn wir mit so vielen Dingen in dieser Welt konfrontiert sind, mit denen wir gar nicht einverstanden sind, die versuchen uns aus der Bahn zu werfen und die versuchen uns zu destabilisieren: bleiben wir bei uns, und sehen wir: ES IST FRÜHLING. Trotz alledem, es ist Frühling. Die Sonne scheint wieder, der Nebel und der Hochnebel haben sich verzogen. Ein bisschen hat das Aprilwetter nicht mehr gewusst, wo es hingehört, und kommt dieses Jahr schon im März. So hat auch das Wetter die Orientierung verloren, wie so vieles andere. Nehmen wir es hin. Schauen wir zu, beobachten wir, doch lassen wir uns nicht aus der Bahn werfen.
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Ja, Frühling. Frühling, das ist das Austreiben der Bäume mit den winzig kleinen Blättchen, grün. Spüren wir dieses Grün in uns fließen. Grün, die Farbe der Hoffnung. Grün, besonders hellgrün, eine Farbe, mit der wir lächeln können. Nach dem Winter, in dem alles in Starre verfallen ist und neue Kräfte gespeichert wurden, ist nun die Zeit des Austreibens, der Entfaltung, des Neubeginns.
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Entfaltung. Erlauben wir uns Entfaltung. Was heißt denn das eigentlich? Entfaltung heißt, etwas ist verschlossen, zugemacht, und es wird entfaltet. Wie Blätter in einem Buch öffnet sich etwas in uns und für uns. Und so können wir aus der Natur lernen und für uns selbst Rückschlüsse ziehen.
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Ich entfalte mich. Ich beginne neu. Ich lasse das Alte ruhen, und wenn es hochkommt, dann entfalte ich es. Ich nehme es auseinander, ich öffne die Blätter meines Lebens für einen Neubeginn. Ich schaue mir die Blätter an und ziehe meine Schlüsse daraus. Ich verurteile mich nicht, sondern ich beobachte, wie ich war. Ich beobachte, welche Entscheidungen ich getroffen habe, und ich komme mit allem und mit allen in den Frieden und in die Vergebung.
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Der Baum treibt aus. Der Baum ist nicht beleidigt, weil er im Winter in die Starre und in die Kälte musste und das aushalten musste. Oh nein, er treibt aus, jedes Jahr. Und wir? Ja, das ist eine Frage, eine Frage um einmal inne zu halten, nicht mehr weiterzulesen, nicht mehr weiter zuhören, einmal auf Pause zu drücken. Entfalte ich mich? Beginne ich neu, vielleicht jeden Tag? Am Morgen nehme ich mir vor: Was will ich denn lassen? Was will ich denn ändern in meinem Leben? Will ich wirklich neu beginnen, oder bleibe ich in meiner Winterstarre, in meinen fest gefügten Meinungen und Haltungen, in meinen Beurteilungen, um nicht zu sagen Verurteilungen?
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Flexibilität – Frühling. Der Frühling ist flexibel. Einmal regnet es, und einmal ist Sonnenschein, und einmal schneit es noch ein bisschen, und dann fängt das Ganze wieder von vorne an. Flexibilität in unserem Leben. Es regnet manches Mal, wenn wir vielleicht weinen oder traurig sind, und im nächsten Augenblick scheint die Sonne und es kommt der Wind und verbläst das, worüber wir traurig sind, die Gründe für unsere Angst, wenn wir es wollen. Und immer wieder, wenn wir es wollen, wenn wir etwas dazu tun, wenn wir uns selbst beobachten und sagen: Das will ich ändern in mir. Das ist es.
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Auch der Baum bleibt nicht in seiner Starre, auch der Baum treibt immer wieder aus, und immer wieder aus, jedes Jahr. Und wir, wir wollen es auch. Wir glauben manches Mal, es nicht zu können. Wir trauen uns das nicht zu, oder sagen: Es ist schon so oft schief gegangen, oder ich bin schon so müde. Nein, nein, das ist nicht die Lösung, sondern wir müssen uns im Frühling ein bisschen am Schopf packen.
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Am Schopf packen heißt, Ziele und Visionen neu zu definieren. Was mache ich denn mit meinem Leben? Was soll in mir geschehen? Was soll in mir vorgehen? Was will ich denn Neues in mir erleben und erschaffen? Das kann ich jedoch nicht, wenn ich nicht den Mut habe und die Entschlossenheit, etwas an mir zu ändern, etwas an mir zu tun, mich mit mir selbst zu beschäftigen, mich zu beobachten, mich selbst wirklich anzusehen. Und welche Jahreszeit würde sich besser eignen als der Frühling, wo vielleicht die stärkste Änderung im ganzen Jahreskreis passiert? Aus der Starre in die Bewegung, aus der Ruhe in das Aufbrechen, das Kräfte sammeln, die Kräfte benützen.
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Vision, Lebensvision, Ziele. Ihr könnt jetzt eine kleine Pause machen und ein Zettelchen zur Hand nehmen und etwas zum Schreiben. Was will ich denn an Zielen definieren? Wie ist denn meine Vision im Leben? Habe ich aufgegeben? Denke ich mir: Das wird eh nichts, dafür bin ich viel zu alt, oder dafür habe ich zu viel erlebt und dafür bin ich zu viel gekränkt, oder was auch immer. Nein, nein. Das ist nicht der Weg, in dem wir glücklich sind, in dem wir glücklich werden, in dem wir Freude genießen.
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Die ewige Änderung, das ewige Infragestellen, das liebevolle Infragestellen des eigenen Wesens, der eigenen Art zu leben, flexibel zu sein. Als Beispiel: der Bambus. Der Bambus steht und er wächst in die Höhe, manchmal sehr hoch, und dann kommt der Wind. Was macht der Bambus? Hält er dagegen wie die Eiche, die dann irgendwann bricht, wenn der Sturm stark genug ist? Nein, der Bambus wiegt sich im Wind. Auch der Wind gehört zum Frühling dazu, und der Wind kann manchmal ordentlich stürmen, so wie es auch in unserem Leben oft ordentlich stürmt und wir uns manches Mal gar nicht so gut auskennen. Wir sind gefordert, im Frühling vielleicht mehr als in so manchem anderen Abschnitt des Jahres, in dem mehr Ruhe einkehrt und Zurückgezogenheit in das eigene Selbst.
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So ist dieser Frühling ein Aufbruch, ein Aufbruch in eine neue Welt, ein innerer Aufbruch in eine neue Welt in uns selbst, in der Freude und Lust und Frieden und auch vielleicht ein bisschen Munterkeit und Übermut herrschen, und Lachen. Treiben wir frisch aus. Lassen wir kleine Triebe in uns entstehen, wo Neues passiert, wo Neues aus uns herauskommt. Und sind wir mutig dafür.
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Mut, das ist so eine wichtige Haltung in unserem Leben. Mut gibt uns die Kraft, mit Entschlossenheit trotz Widerständen und trotz vielleicht noch nicht Erkennen des Weges, es zu tun, weil wir es uns zutrauen. Weil wir sagen: Das kann ich und das will ich tun, und ich probiere es ganz einfach und probiere es wieder und mache es. Ganz einfach, ich mache es, vielleicht auch übermütig. Ich probiere es! Wird schon schiefgehen, wie wir sagen. Nein, es ist etwas in uns, das uns schützt. Es ist etwas in uns, das uns leitet und führt, das uns in die Lebensfreude und in das Glück unseres Lebens führt. Wir müssen uns nur führen lassen und nicht so viel denken. Was wird denn passieren? Und mache ich mich da lächerlich oder ecke ich da vielleicht an, wenn ich eine grüne Hose mit weißen Pinguinen anziehe?
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Nein. Es darf ein bisschen lustig sein, und das ist der Frühling auch. Dieses Lächeln über das Wiedererstarken, über das Aufbäumen der Natur, könnte man sagen, nach dieser Ruhe, und die Kraft zu spüren. Gehen wir in den Wald, gehen wir über eine Wiese, gehen wir dorthin wo es ruhig ist und wo wir atmen können, und lehnen wir uns an Bäume, und nehmen wir diese expansive Kraft dieser Zeit in uns auf.
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Expansion – Erweiterung – Ausdehnung. Ausdehnung des eigenen Wesens.
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Raum. Ausdehnen in den Raum hinein und atmen und größer werden. Lassen wir uns selbst größer werden, unsere eigenen Räume in uns erweitern und erfüllen mit unserem Sein und unserem Wesen. Ja, wie ich schon öfters gesagt habe, mit unserem Liebend-sein. Liebend sein ist eine Haltung. Lieben ist etwas, das wir tun, das wir empfinden und das schön ist. Und dann gibt es noch das Liebend-sein. Dieses zutiefst verbunden sein mit sich und der Welt und, wie schon gesagt, auch wenn es schwer fällt, auch wenn wir ungläubig den Kopf schütteln über das, was geschieht, liebend sein. Die Liebe dorthin schicken an die Männer, die fallen, an die Frauen, die weinen, an die Kinder und an die Eltern, die fassungslos vor den Särgen stehen. Schicken wir Liebe in die Welt. Trauen wir es uns zu, dass unsere Liebe dort ankommt, wo sie bitter gebraucht wird.
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Immer wieder dürfen wir das auch da sein lassen, es darf da sein, es darf uns nur nicht destabilisieren. Es darf uns nicht, wie zuvor schon gesagt, den Mut und die Entschlossenheit nehmen, die inneren Räume zu erweitern, zu eröffnen, uns zu entfalten.
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Und nach den Blättern, wenn sie ein wenig größer sind, kommen dann die Blüten. Eine neue Wärme entsteht in uns. Blüten entstehen in uns in Wunderbarkeit. All das, was wir empfinden, all das darf auch austreiben und sich zeigen.
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Unser Licht. Zeigen wir es uns selbst und der Welt, immer uns selbst zuerst. Immer lassen wir uns dieses Licht erleben, das wir haben, das in uns entsteht. Besonders im Frühling, nach der Dunkelheit, kommt das Licht, und lassen wir dieses Licht in uns scheinen. Verfolgen wir es mit unserem inneren Auge in uns dorthin, wo es hell ist und schön ist, und wo es im Herzen strahlt und glänzt. Und dann gibt es vielleicht noch eine Stelle in uns oder zwei, die unser inneres Licht nicht erreicht, weil etwas blockiert ist und weil wir glauben mögen: Das kann ich nicht. Das kann ich nicht vergeben. Doch, Du kannst. Und das kann ich nicht vergessen. Doch, Du kannst. Und das wird nie wieder gut. Doch, es wird. Alles wird, wenn ich mir die Erlaubnis gebe, all das zu heilen.
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Das ist Frühling. Flexibel durch unser Leben zu gehen, ohne zu brechen; zu verstehen und zu erfühlen, dass Veränderung Genuss ist. Dass die Verwirklichung unserer Träume eigentlich die Essenz in unserem Leben ist. Wir erträumen uns etwas und lassen es entstehen, und stehen freudig und mit glänzenden Augen vor dem, was durch uns entsteht: wenn wir einem Bettler etwas geben oder einen fremden Hund streicheln, obwohl er gar nicht unserer ist, oder ein Kind anlächeln, oder unsere Liebsten.
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Geben wir uns und unserem Leben eine Richtung. Der Wind bläst in eine Richtung, und dann wieder in eine andere, doch er kommt üblicherweise, außer es ist ein Wirbelsturm, nicht von vielen Seiten zugleich. Geben wir uns für bestimmte Augenblicke eine Richtung, und verfolgen wir den Plan unserer Seele. Nochmals gesagt: Lassen wir uns von unserer Seele, von unserem Gemüt, von unserer Intuition bei der Hand nehmen, liebevoll, und dorthin führen, wo wir glücklich sind. In uns selbst.
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Glück entsteht nicht durch andere. Glück entsteht, indem wir offen sind für unser eigenes Leben, und dies dann mit anderen teilen. Doch, wie schon so oft gesagt, alles muss in uns entstehen, alles darf in uns geschehen. Erst dann geben wir es weiter, dann teilen wir es, dann nehmen wir andere bei der Hand und sagen: Vielleicht magst Du dorthin gehen. Vielleicht magst Du mich begleiten. Vielleicht magst Du Dich heilen, und ich halte Dir den Raum dafür. Doch vergiss nicht, Du musst es selbst tun. Verlass Dich auf Dich, nicht auf mich.
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Und die Krönung des Frühlings, über den wir gerade gehört haben, oder gelesen haben, ist Ostern. Wie oft haben wir Ostern schon erlebt, wie schöne Erinnerungen haben wir an die Kinder, die Ostereier suchen und finden.
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Schließen wir die Augen. Machen wir es uns bequem. Wir können uns hinlegen oder hinsetzen. Wir werden schwer und ruhig und lassen alle Gedanken los, bedanken uns bei dem was kommt, und gekommen ist. Doch fokussieren wir uns jetzt auf etwas anderes.
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Die Ostermeditation zur Vorbereitung auf diese, ja, für mich und hoffentlich für Euch auch, heiligen Tage.
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Passion – Passion – der Weg des Leidens. Leiden, in unserem Leben. Wer hat es nicht erlebt? Wo immer wir hindenken, sind oft das Leiden, die Enttäuschung, der Schmerz, die Tränen nicht weit. Leiden gehört zum Leben, und das Leben gehört zum Leiden, weil wir nicht perfekt sind, weil wir Menschen sind, weil wir manches Mal das Leiden durch unsere Entscheidungen, durch unsere Haltungen, durch unsere Gefühle anziehen. Wenn wir die Freude in uns noch nicht überall hin in unserem Wesen fließen lassen können, weil manches blockiert ist – und eine Möglichkeit, diese Blockade in uns zu spüren, ist der Schmerz und das Leiden. Wie wichtig ist das? Wie wichtig ist es, dass wir ein, ich möchte sagen, ein Referenzerlebnis haben, ein Referenz-Organ in unserem Körper, das uns zeigt: Du, das ist nicht geheilt. Das hast Du nur hinuntergeschluckt, und dort ist es jetzt. Seit gestern, seit einer Woche, seit einem Monat, seit einem Jahr. Hole es heraus, sei mutig, schaue es Dir an, und vergib Dir und vergib anderen. Lass los – lass los das, was dich quält, das worunter Du leidest, dass Du nicht gesehen wurdest, dass Du betrogen wurdest, dass Du versagt hast, dass Du Fehler gemacht hast. Ja – das sind alles Augenblicke der Passion. Augenblicke der Trauer und des Schmerzes, so wie es im Leben geschieht, so wie wir es alle erlebt haben auf die eine oder andere Weise.
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Und der Höhepunkt im christlichen Ritus ist der Karfreitag. Unschuldig gekreuzigt – unschuldig – vielleicht, wie es in diesem Ritus heißt, die Sünden der anderen Menschen aufgenommen, die Sünden der Menschheit – ich weiß nicht, ob das wirklich so gemeint ist. Hat nicht viel mehr dieser Kreuzestod gezeigt, wie Menschen damals waren, und heute sind, noch immer, vielleicht auf andere Weise? Das ist es nicht. Sondern alle Sünden, so genannte Sünden, alle Fehler, alles das was in uns und durch uns geschieht und vielleicht ein wenig anders hätte auch gemacht werden können, alles das ist vergeben. Weil wir es uns vergeben, und weil es dann auf einer höheren energetischen Ebene ausgeglichen wird.
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Und wir atmen ganz ruhig und tief, und stellen uns unser eigenes inneres Kind vor. Wir gehen zu bestimmten Augenblicken zurück, in denen es geweint hat, das heißt, wir haben geweint, und in denen es gelacht hat, weil wir gelacht haben, und weil es abgespeichert ist in uns. Und nehmen wir dieses innere Kind in unsere Arme. In dem Alter, wie wir es gerade wollen, mit zwei, mit drei, mit fünf, wie es passt. Und halten wir es, und küssen wir es. Wir küssen dadurch uns. Und wenn wir es halten, halten wir uns. Und wenn wir dem inneren Kind über die Wange streichen, so tun wir dasselbe mit uns.
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Und dann gehen wir zurück, als wir neugeboren waren. Nehmen wir das Kind und legen es neugeboren auf unsere Unterarme – dass wir es ansehen können – wir uns selbst – neugeboren – unschuldig. Unschuldig kommen wir zur Welt, alles andere ist Programm, alles andere wird aufgespielt. Doch in diesem Augenblick uns selbst neugeboren zu sehen: spüren wir unsere Unschuld, spüren wir hin, genau und tief und ruhig, und voll Liebe. Neugeboren, unschuldig, das sind wir bis heute. Erlauben wir uns, lange Zeit in diesem Gefühl zu bleiben – Erlösung – Auferstehung – jedes Jahr. Und vielleicht jeden Tag in uns selbst. Auferstehen – aus dem Trotz und aus der Sorge und aus den Nöten und aus der Verurteilung und aus der Aggression auferstehen. Und leuchten, und Freude haben mit uns selbst am Ostermorgen. Das ist Leben, das ist Entfaltung, das ist Raum in sich entstehen lassen und halten. Erlösung – welch schönes Wort – loslassen, das Alte. Neu beginnen, erlöst sein. Dieses Gefühl zu spüren, das wünsche ich Euch allen.
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Frohe, gesegnete Ostern Euch allen.
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